Wünsche zum Himmel tragen

Heute ist mal wieder ein Tag –  wie gemacht fürs Räuchern. Draussen schneit es wild und der Orkan der letzten drei Tage ist einem gemässigten Sturm gewichen. So wie im Aussen alles aufgerüttelt, durchgepustet und durchgewirbelt wurde, können wir auch im Inneren durch ein Räucherritual Reinigung und Klärung vollziehen.

Räuchern ist eine so wunderschöne und kraftvolle Handlung. Es gibt mir Zeit und Ruhe, bei mir und mit mir zu sein, den Duft von Kräutern oder Harzen einzuatmen und dem Rauch zuzuschauen.

Der Rauch reinigt den Raum und erweitert das Bewusstsein auf sehr subtile Weise.  Das Räuchern eröffnet den Raum bei jeder Zeremonie, es schenkt Entspannung und Achtsamkeit und das Gefühl des Besonderen für den Augenblick.

Jede Pflanze hat ihre Aufgabe und in dem Moment wo sie verräuchert wird, werden nicht nur ihre ätherischen Öle freigesetzt, sondern auch ihre tiefere Bestimmung kann wirken. Unser Geruchssinn ist der älteste, archaischste Sinn, Emotionen verbinden sich mit Gerüchen und sind unauslöschlich in unserem System gespeichert. Sicher kannst Du Dich an Situationen erinnern, wo Du einen Duft aufgenommen hast, und augenblicklich in die Vergangenheit zurückversetzt wurdest. Sei es der Plätzchenduft an Weihnachten, Omas Kuchen oder das Rasierwasser Deiner ersten grossen Liebe.

Geräuchert wird seit Jahrtausenden, sei es zum Haltbarmachen, zur Desinfektion bei Krankheit und Tod, oder zum Schutz vor allerlei Ungemach. In allen Tipis, Tempeln,  Moscheen und Kirchen wird geräuchert, und bis heute wird auch in unseren Bergregionen an dieser Tradition festgehalten.

Schon in vorchristlicher Zeit wurde den Göttern ein Strauss Kräuter dargeboten, um für die Heilkraft der Kräuter zu danken. Indigene Völker in allen Teilen der Welt begehen keine Zeremonie ohne das Räuchern, mit dem sie um Verbundenheit, Schutz und ein gutes Gelingen beten.

Hier im Allgäu werden bis heute  am 14. August Heilkräuter gesammelt, mit einer Königskerze in der Mitte auf eine bestimmte Art zu einem „Kräuterboschen“ gebunden und dann am nächsten Tag, Maria Himmelfahrt, geweiht. Danach wird er getrocknet und im „Herrgottswinkel“ aufgehängt.  Bei Gewitter wird er angezündet, und mit dem Rauch wird Haus und Stall geräuchert, um Unglück zu vermeiden.

Wenn ich das Bedürfnis habe, wie zum Beispiel an einem Tag wie diesem, mache ich für mich selbst ein kleines Ritual. Ich entzünde wilden Salbei oder kostbaren Weihrauch, schliesse die Augen und hülle mich in den wunderbaren Duft. Dann breitet sich Frieden und Harmonie aus und wie von selbst steigen Bilder aus dem Unbewussten auf, und Träume und Wünsche für mich, für meine Lieben und für die ganze Welt finden den Weg über den Rauch zum Himmel.

Glücksmomente

Es hat mich einfach nur glücklich gemacht – dass ich diesen wunderschönen Uhu auf dem Arm halten und ihn streicheln, mit ihm schmusen, sprechen und ihm in die riesengroßen Augen schauen durfte.

Ich durfte den Falkner zuhause besuchen, seine wunderbaren Vögel aus der Nähe bewundern und vieles über sie lernen. Er hat eine bildschöne Weisskopfseeadlerdame namens Lisa, einen Steppenadler, einen Wüstenbussard, einen Harris Hawk, einen Saker Falken und Felix, den zärtlichen Uhu.

Felix ist der Einzige, den man auf dem Arm halten kann, den anderen Greifvögeln darf man nicht zu nahe kommen, es sind wilde Tiere und durch ihre Größe und Stärke, die messerscharfen Klauen und die starken Schnäbel, sehr gefährlich. Der Falkner lebt natürlich mit seinen Vögeln, seine Beziehung zu ihnen basiert auf gegenseitigem Respekt.

Adlerfedern werden seit jeher als heilig betrachtet und in Amerika nur den Indianern zugestanden. Für sie bedeuten sie einen wichtigen Teil ihrer Kultur, ihres traditionellen Schmucks, ihrer Powows und sie sind unverzichtbar beim Räuchern, der Kommunikation zwischen Himmel und Erde.

Weissen ist es verboten, Adlerfedern zu besitzen. Hier in Europa gilt das Artenschutzgesetz und man muss ein Herkunftszertifikat vorweisen können, sonst werden die Federn beschlagnahmt.

Danke, Schwesterlein, für dieses schöne Erlebnis.