kreativ sein

Wir alle sind kreativ, die meisten von uns haben es nur verlernt. In der Kindheit waren wir alle unendlich kreativ, wir haben alles ausprobiert, völlig frei von der Meinung Anderer. Wir sind allen Impulsen nachgegangen, haben mit aller Kraft unserer Phantasie Ausdruck verschafft. Durch versuchen, verwerfen, erneuern, ist es uns dann irgendwann gelungen, eine Sandburg zu bauen, ein Lied zu singen, einen Topflappen zu häkeln, ein Männlein zu malen.

Erst durch die Bewertung von Aussen, durch das Urteil anderer Menschen, haben wir diese Gaben aufgegeben, haben es unterlassen, unser Inneres auszuleben, aus Angst vor Kritik oder Spott, in der Annahme, nicht gut genug zu sein. Selbst wenn wir unterstützende Eltern hatten, spätestens im Kindergarten beginnt das Vergleichen und Anpassen, das Schulsystem tut dann über Jahre hinweg sein Übriges.

Mir ging es jedenfalls so, ich war total überzeugt, dass ich nicht malen kann, nicht singen kann, nicht basteln kann. Zuerst hat sich meine Kreativität in der Dekoration gezeigt, im sicheren Gefühl für Farben und dafür, was zueinander passt und was nicht. Diese Sicherheit habe ich nicht gelernt, sie kommt aus dem Inneren, ist einfach ein Gespür, eine Intuition. Viel später dann wollte ich unbedingt ein Tier auf ein Stück Leder malen, nur für mich. Ich legte mir schöne Musik auf, zündete eine Kerze an, nahm mir eine Vorlage um es einigermassen getreu abzumalen, und siehe da, es ist wunderschön geworden. Eine Malerin bin ich trotzdem nicht, aber ich weiss jetzt, dass ich das was ich male, ganz toll finde. Und irgendwann habe ich ein Kissen genäht, von Hand und schief und krumm, einfach weil ich Stoffe so gern mag. Das hat mir so viel Spass gemacht, dass ich mir eine Nähmaschine kaufte und immer mehr nähte, und jedesmal wurden die Kissen besser und schöner. Das ist das Wichtigste am Kreativ sein, es muss niemandem gefallen, man darf sich nicht mit anderen messen, es soll einfach nur Freude machen.

Es ist so wichtig, sich von Zeit zu Zeit kreativ auszudrücken, ganz mit sich zu sein, alles Äussere auszublenden, in sich hineinzuhören und loszulegen. Deshalb möchte ich Euch daran erinnern und ermutigen, Euch die Zeit zu nehmen und einfach mal anzufangen. Vielleicht sogar etwas zu tun, was Ihr noch nie gemacht habt. Oder etwas, das Ihr als Kinder konntet oder wolltet und was in Vergessenheit geraten ist. Kauft Euch Farben und malt, stellt einen Wunschstein her oder einen Zauberstab, malt auf Papier oder bemalt alte Möbel, bemalt eine Wand oder ein altes Fahrrad. Backt Kuchen und verziert oder dekoriert sie mal neu und anders. Geht in den Garten und in die Natur um Euch Inspirationen zu holen. Fangt an zu nähen, zu stricken, zu häkeln, zu sticken, zu patchworken, geht Schalen oder Skulpturen zu töpfern oder traut Euch, Euren eigenen Schmuck zu machen. Ihr werdet Euch selbst besser kennenlernen, werdet staunen über nicht gekannte Fähigkeiten, werdet sehen, wie beglückend es ist, die kindliche Begeisterung wiederzuentdecken.

Egal was es ist, lasst die Freude fliessen, lasst Euer Herz und Eure Hände tun – nur für Euch.

Glückstagebuch

3678593264_7015d33d82

Was hältst Du davon, Dir ein Glückstagebuch anzulegen?  Besorge Dir das schönste Tagebuch das Du finden kannst oder fertige es selbst in einem kreativen, absichtsvollen Prozess an. Es sollte in seiner Beschaffenheit, seinem Material und seiner Optik gleich Freude auslösen, wenn Du es nur anschaust, und Dich dazu veranlassen, es in die Hand zu nehmen und hineinzuschreiben. Dazu gehört natürlich auch noch ein Stift, der fliessend und leicht schreibt.
Dieses Buch soll nun täglich die Momente festhalten, die Dich erfreuen, die Dir gut tun, die Dich trösten, die Dich begeistern, die Dir nahe gehen, die Dich aufbauen – Momente, die Dein Herz berühren. Es ist ein Buch nur für Dich und muss niemandem gefallen ausser Dir, es muss nicht ordentlich gegliedert oder sauber geschrieben sein, es soll lebendig sein und alles erlauben.
Auch wenn der Tag noch so grau sein sollte, wenn Du bewusst danach suchst, wirst Du etwas Schönes finden. Vielleicht ist es nur ein kurzer Sonnenstrahl, der durch die dicke Wolkendecke blitzt, vielleicht das leise Zwitschern eines Vogels, vielleicht ein kleines Grün, das durch den Schneematsch lugt, vielleicht ein freundlicher Blick der Kassiererin.
In dieses Buch kann alles hinein, ein Zugticket, eine Eintrittskarte, eine Kinderzeichnung, eine Feder, ein roter Faden, ein Liebesbrief, ein lustiges Foto. Vielleicht notierst Du den Musiktitel aus dem Autoradio oder den fröhlichen Anruf einer Freundin. Vielleicht klebst Du das Ettikett des besonderen Weines hinein, dessen Geschmack Du noch heute auf der Zunge spürst.
Du kannst einen schönen Traum festhalten und hilfreiche Tipps notieren, schöne Zitate und Sprüche aufschreiben, frohe Gedanken verewigen oder ein leckeres Rezept hineinkritzeln. In das Buch kannst Du schreiben, malen und skizzieren. Du kannst die Essenz eines tiefgründigen Gespräches oder eines tollen Buches hineinschreiben. Und Du solltest unbedingt festhalten, wenn jemand etwas Nettes über Dich oder zu Dir gesagt hat.
Wenn Du Dir die Zeit nimmst, täglich nur fünf Minuten darüber nachzusinnen, wo sich Dir das Glück gezeigt hat, dann wird Dein Buch lebendig werden und Du wirst einen wunderbaren Schatz in Deinen Händen halten. In weniger schönen Zeiten kannst Du darin blättern und viel Kraft daraus schöpfen oder Dich einfach daran freuen.

Frieden

Viele Menschen haben Ängste zur Zeit, angesichts der aktuellen Turbulenzen auf der Welt. Wohin man schaut, es ist alles im Umbruch, wir wissen nicht, was auf uns zukommt, nichts wird mehr so sein, wie es einmal war.

Vielleicht übt dieses Märchen eine Wirkung auf Dich aus und lässt Dich erkennen, wie kraftvoll der Frieden im eigenen Herzen ist.

„Es war einmal ein König, der rief alle Künstler in seinem Reich auf, den Frieden zu malen. Das beste Bild würde einen Preis gewinnen.

Die Maler im ganzen Land machten sich eifrig an die Arbeit, und nach einer gewissen Zeit brachten sie dem König ihre Bilder. Aber von allen Bildern die gemalt wurden, gefielen dem König nur zwei. Zwischen diesen beiden musste er sich nun entscheiden.

Das erste war ein perfektes Abbild eines ruhigen Sees. In dem See spiegelten sich die malerischen Berge, die den See umrandeten und man konnte jede kleine Wolke im Wasser wiederfinden. Jeder, der das Bild sah, dachte sofort an den Frieden.

Auch auf dem zweiten Bild waren Berge zu sehen, aber diese waren zerklüftet, rau und kahl. Über den Bergen jagten sich am grauen Himmel wütende Wolkenberge und man konnte den Regen fallen sehen, den Blitz aufzucken und fast auch den Donner krachen hören. An einem der Berge stürzte ein tosender Wasserfall in die Tiefe. Keiner der Betrachter konnte in diesem Bild Frieden erkennen.

Doch der König sah hinter dem Wasserfall einen winzigen Busch, der auf der zerklüfteten Felswand wuchs. In diesem Busch hatte ein kleiner Vogel sein Nest gebaut. Dort, in dem wütenden Unwetter an diesem unwirtlichen Ort, saß der Vogel friedlich auf seinem Nest.

Der König wählte das zweite Bild. Frieden braucht es nicht dort, wo es keine Probleme und keine Kämpfe gibt. Wirklicher Frieden bringt Hoffnung und heißt vor allem, auch unter schwierigsten Umständen und größten Herausforderungen, ruhig und friedlich im eigenen Herzen zu bleiben.“

Wünsche zum Himmel tragen

Heute ist mal wieder ein Tag –  wie gemacht fürs Räuchern. Draussen schneit es wild und der Orkan der letzten drei Tage ist einem gemässigten Sturm gewichen. So wie im Aussen alles aufgerüttelt, durchgepustet und durchgewirbelt wurde, können wir auch im Inneren durch ein Räucherritual Reinigung und Klärung vollziehen.

Räuchern ist eine so wunderschöne und kraftvolle Handlung. Es gibt mir Zeit und Ruhe, bei mir und mit mir zu sein, den Duft von Kräutern oder Harzen einzuatmen und dem Rauch zuzuschauen.

Der Rauch reinigt den Raum und erweitert das Bewusstsein auf sehr subtile Weise.  Das Räuchern eröffnet den Raum bei jeder Zeremonie, es schenkt Entspannung und Achtsamkeit und das Gefühl des Besonderen für den Augenblick.

Jede Pflanze hat ihre Aufgabe und in dem Moment wo sie verräuchert wird, werden nicht nur ihre ätherischen Öle freigesetzt, sondern auch ihre tiefere Bestimmung kann wirken. Unser Geruchssinn ist der älteste, archaischste Sinn, Emotionen verbinden sich mit Gerüchen und sind unauslöschlich in unserem System gespeichert. Sicher kannst Du Dich an Situationen erinnern, wo Du einen Duft aufgenommen hast, und augenblicklich in die Vergangenheit zurückversetzt wurdest. Sei es der Plätzchenduft an Weihnachten, Omas Kuchen oder das Rasierwasser Deiner ersten grossen Liebe.

Geräuchert wird seit Jahrtausenden, sei es zum Haltbarmachen, zur Desinfektion bei Krankheit und Tod, oder zum Schutz vor allerlei Ungemach. In allen Tipis, Tempeln,  Moscheen und Kirchen wird geräuchert, und bis heute wird auch in unseren Bergregionen an dieser Tradition festgehalten.

Schon in vorchristlicher Zeit wurde den Göttern ein Strauss Kräuter dargeboten, um für die Heilkraft der Kräuter zu danken. Indigene Völker in allen Teilen der Welt begehen keine Zeremonie ohne das Räuchern, mit dem sie um Verbundenheit, Schutz und ein gutes Gelingen beten.

Hier im Allgäu werden bis heute  am 14. August Heilkräuter gesammelt, mit einer Königskerze in der Mitte auf eine bestimmte Art zu einem „Kräuterboschen“ gebunden und dann am nächsten Tag, Maria Himmelfahrt, geweiht. Danach wird er getrocknet und im „Herrgottswinkel“ aufgehängt.  Bei Gewitter wird er angezündet, und mit dem Rauch wird Haus und Stall geräuchert, um Unglück zu vermeiden.

Wenn ich das Bedürfnis habe, wie zum Beispiel an einem Tag wie diesem, mache ich für mich selbst ein kleines Ritual. Ich entzünde wilden Salbei oder kostbaren Weihrauch, schliesse die Augen und hülle mich in den wunderbaren Duft. Dann breitet sich Frieden und Harmonie aus und wie von selbst steigen Bilder aus dem Unbewussten auf, und Träume und Wünsche für mich, für meine Lieben und für die ganze Welt finden den Weg über den Rauch zum Himmel.

Glücksmomente

Es hat mich einfach nur glücklich gemacht – dass ich diesen wunderschönen Uhu auf dem Arm halten und ihn streicheln, mit ihm schmusen, sprechen und ihm in die riesengroßen Augen schauen durfte.

Ich durfte den Falkner zuhause besuchen, seine wunderbaren Vögel aus der Nähe bewundern und vieles über sie lernen. Er hat eine bildschöne Weisskopfseeadlerdame namens Lisa, einen Steppenadler, einen Wüstenbussard, einen Harris Hawk, einen Saker Falken und Felix, den zärtlichen Uhu.

Felix ist der Einzige, den man auf dem Arm halten kann, den anderen Greifvögeln darf man nicht zu nahe kommen, es sind wilde Tiere und durch ihre Größe und Stärke, die messerscharfen Klauen und die starken Schnäbel, sehr gefährlich. Der Falkner lebt natürlich mit seinen Vögeln, seine Beziehung zu ihnen basiert auf gegenseitigem Respekt.

Adlerfedern werden seit jeher als heilig betrachtet und in Amerika nur den Indianern zugestanden. Für sie bedeuten sie einen wichtigen Teil ihrer Kultur, ihres traditionellen Schmucks, ihrer Powows und sie sind unverzichtbar beim Räuchern, der Kommunikation zwischen Himmel und Erde.

Weissen ist es verboten, Adlerfedern zu besitzen. Hier in Europa gilt das Artenschutzgesetz und man muss ein Herkunftszertifikat vorweisen können, sonst werden die Federn beschlagnahmt.

Danke, Schwesterlein, für dieses schöne Erlebnis.